Open Source
Technische Grundlagen
Der Wandel des Open Source Modells: Nutzende Unternehmen im Fokus
Software spielt heute eine immer wichtigere Rolle in verschiedenen Industrien. Dabei wächst auch das Interesse an Open Source zunehmend über die reine Softwarebranche hinaus. Laut einer Studie aus dem Jahr 2023 sehen sich bereits 25 % der Unternehmen aus traditionellen Industrien als Softwareunternehmen. Bis 2030 wird erwartet, dass 29 % ihres Umsatzes auf Software und digitale Anwendungen zurückzuführen sind1. Aus dem Trend heraus ist es wenig verwunderlich, dass auch Unternehmen außerhalb der Branche sich immer mehr mit dem Thema Open Source zur Entwicklung bzw. Einholung von Softwarekomponenten befassen.
Digitalisierung bedeutet nicht nur, analoge Informationen in digitale Systeme zu übertragen, sondern umfasst auch Veränderungen in Organisationen und Arbeitsweisen. Unternehmen erhoffen sich davon Vorteile wie effizientere Ressourcennutzung, Kosteneinsparungen, höhere Produktivität der Mitarbeitenden, optimierte Lieferketten sowie eine stärkere Kundenbindung und innovative Geschäftsmodelle. Ein weiterer wichtiger Trend ist die sogenannte „Servitization“. Hierbei entwickeln produktorientierte Unternehmen zusätzliche Dienstleistungen rund um ihre Produkte – beispielsweise Finanzierungsoptionen oder Wartungsservices –, erweitern deren Funktionen oder ersetzen den Produktkauf durch Serviceangebote. Diese Dienstleistungen werden oft durch digitale Anwendungen oder Software ermöglicht. Auch die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen spielt eine zentrale Rolle bei der digitalen Transformation. Durch interaktive Kommunikation und Kooperation mit Partnern können Innovationsziele besser erreicht werden. In diesem Zusammenhang gewinnt Open Source als kollaborativer Ansatz an Bedeutung – nicht nur für die Entwicklung neuer Technologien, sondern auch im Sinne einer neuen Organisationsform außerhalb der Softwarebranche.
Im Vergleich zur Softwarebranche unterscheidet sich der typische Einsatz von Open Source in weiteren Industrien. Während nicht-Software Unternehmen häufig daran interessiert sind, Open Source für operative Zwecke einzusetzen (z. B. zur Integration in Produkte oder Geschäftsprozesse), sinkt der Anreiz zur Kommerzialisierung dieser Software oder zur Entwicklung darauf basierender Geschäftsmodelle. Da außerdem die Kapazitäten zur Softwareentwicklung typischerweise geringer sind, greifen sie auf externe Ressourcen zurück. Ein innovativer Ansatz ist hierbei das sogenannte „Community Source“-Modell: Unternehmen bündeln personelle und finanzielle Ressourcen, um gemeinsam Open Source Software zu entwickeln, die den gemeinsamen Anforderungen entspricht. Bei der Entwicklung handelt es sich zumeist um Commodities, also Komponenten, die in jedem Unternehmen benötigt werden und wettbewerbstechnisch nicht differenzierend sind. Diese Form der Zusammenarbeit lässt sich in verschiedenen Industrien erkennen. In der nachfolgenden Tabelle sind beispielhaft Open Source Communities dieser Form aus unterschiedlichen Industrien aufgelistet.
Literaturnachweise
[1] Capgemini: The art of software: Die neue Ära softwaredefinierter Unternehmen 2023.
[2] Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML: Silicon Economy Integration Guideline. www.silicon-economy.com/silicon-economy-integration-guideline
