Open Source
Organisationsprinzipien
Ein Prozess zur aktiven Steuerung von Open Source
Um Unternehmen bei der Integration von Open Source zu unterstützen, wurde ein Open Source Managementmodell entwickelt. Dieses Modell basiert auf dem „Sourcing Cycle“1 unter der Annahme, dass Unternehmen außerhalb der Softwarebranche Open Source als Form der Beschaffung nutzen. Analog zu bekannten Prozessen aus dem Einkauf und Supply Management muss daher für jede Open Source Strategie der Umgang mit externen Quellen von Innovationen bzw. Open Source Communities gesteuert werden. Das Ergebnis aus mehreren Fallstudien, in denen der Sourcing Cycle im Kontext von Open Source evaluiert wurde, sind die folgenden Schritte zum Management von Open Source Strategien.
Bedarfsidentifikation und Planung – Die Bedarfsplanung kann auf drei verschiedene Arten initiiert werden: durch operative Nutzer oder Entwickler innerhalb des Unternehmens, durch strategische Vorgaben der Führungsebene oder durch externe Organisationen wie Forschungsinstitute oder Open Source Stiftungen. Die Bedarfsidentifikation beginnt häufig mit einem konkreten technischen oder funktionalen Bedarf. Dieser Ansatz ist lösungsorientiert und wird gelegentlich durch bottom-up-Kommunikation erweitert, sodass er größere Problemfelder abdeckt. Strategische Bedarfe hingegen entstehen oft aus Zielen wie der Digitalisierung von Prozessen und werden top-down kommuniziert. Externe Akteure können ebenfalls eine treibende Rolle spielen, indem sie Unternehmen zur Nutzung von Open Source anregen. Eine Herausforderung für nicht-softwarebasierte Unternehmen besteht darin, dass ihnen häufig das Bewusstsein für bestehende Open-Source-Lösungen fehlt.
Open Source Strategie Formulierung – Basierend auf den identifizierten Anreizen und Motivationen entwickeln Firmen Open Source Strategien, die festlegen, wie Aktivitäten intern gesteuert werden – von der Beschaffung über die Integration bis hin zur Anwendung von Innovationen sowie der Interaktion mit Partnern und Communities. Diese Strategien können spezifisch auf eine einzelne Innovation ausgerichtet sein oder einen breiteren Problemlösungsansatz verfolgen. In der Praxis sind solche Strategien oft noch nicht formal definiert, wodurch Potentiale zum effektiven Einsatz von Open Source ausgelassen werden. Da jede Strategie eigene Risiken birgt, kann zusätzliche Unterstützung durch spezialisierte Abteilungen wie ein „Open Source Program Office“ (OSPO) erforderlich sein.
Auswahl der Innovationsquelle – Im Gegensatz zu proprietärer Software gibt es keinen einzelnen Anbieter für Open Source Lösungen. Stattdessen umfassen Innovationsquellen sowohl Communities als auch Projekte. Die Auswahl einer geeigneten Quelle erfolgt anhand einer Bewertung ihrer Struktur sowie der entwickelten Software in Übereinstimmung mit der Integrationsstrategie. Einige Unternehmen nutzen vordefinierte Kriterien zur Auswahl geeigneter Lösungen oder entscheiden sich dafür, eigene Communities aufzubauen und aktiv an Projekten mitzuwirken.
Ausrichtung und Verpflichtung – Die Entwicklung von Open Source wird häufig durch geringe Verpflichtungen oder zentrale Koordinationsmechanismen charakterisiert. Prinzipien wie Dezentralisierung betonen die Flexibilität solcher Projekte. Dennoch gewinnen Governance Systeme zunehmend in strukturierten Open Source Foundations an Bedeutung, um Interessen auszurichten und Projektziele festzulegen. Dabei stehen Unternehmen vor dem Trade-off zwischen stärkerer Community-Beteiligung und erhöhtem Ressourceneinsatz.
Umsetzung – Die Umsetzung umfasst alle Aktivitäten rund um die technische Entwicklung sowie die rechtliche Absicherung bis hin zur vollständigen Integration in interne Systeme und deren Bereitstellung für Endnutzer. Arbeitsgruppen innerhalb von Communities bilden dabei die Grundlage für praktische Umsetzungen. Kommunikation mit internen Stakeholdern ist entscheidend für die Bewertung des Entwicklungsprozesses sowie seiner Ergebnisse.
Evaluierung – Am Ende des Prozesses wird die Integrationsstrategie bewertet. Dies ist ein Schritt, der aufgrund des agilen Charakters von Open Source kontinuierlich erfolgt. Dabei steht weniger die finanzielle Quantifizierung im Vordergrund. Entscheidungen basieren häufiger auf qualitativen Faktoren sowie situativen Motivatoren von Open Source.
Literaturnachweise
[1] Schiele, H.: Purchasing and Supply Management. In: Zijm, H.; Klumpp, M.; Regattieri, A.; Heragu, S. (Hrsg.): Operations, Logistics and Supply Chain Management. Cham 2019.
[2] Paffrath, F. N.; Henke, M.: A theoretical framework for managing open source integration strategies in non-software industries. elaborating PSM theory in the context of open source. In: Proceedings of the International Purchasing and Supply Education and Research Association (IPSERA) (2024)
